Primärversorgungseinheiten bieten der Bevölkerung unter einem Dach ein breites Gesundheitsangebot mit langen Öffnungszeiten und kurzen Wegen und schaffen zugleich attraktive Arbeitsbedingungen für interdisziplinäre Teams aus ÄrztInnen, SozialarbeiterInnen und administrativen MitarbeiterInnen. Dieser Grundgedanke, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, spiegelt sich auch in der Architektur wider. Er zeigt sich in der sternförmigen Organisation der Praxis und ihrem patientenzentrierten Konzept. Im Zentrum befindet sich ein großzügiger, lichtdurchfluteter Wartebereich, ergänzt durch Anmeldung, Büro sowie einen Therapieraum beziehungsweise ein abtrennbares zusätzliches Wartezimmer.
Der über nahezu 20 Meter Gebäudetiefe durchgesteckte Raum wird von beiden Seiten natürlich belichtet und schafft vielfältige Sichtbezüge nach innen und außen. Er dient als räumlicher Orientierungspunkt, gewährleistet Übersichtlichkeit und kurze Wege und bildet zugleich einen ruhigen Mittelpunkt der Praxis. Entlang dieser zentralen Achse gliedern sich in der Außenzone klar definierte Bereiche für Vordiagnose, Behandlung und Personal. In der Mittelzone befinden sich kompakte Funktionskerne mit Sanitäranlagen, Abstellräumen und Haustechnik.
Die Behandlungsräume sind entlang der Fassade angeordnet und durch Verbindungstüren miteinander verknüpft – in Anlehnung an das klassische Prinzip der Enfilade (franz. enfiler = auffädeln). Dadurch entsteht ein sekundärer Erschließungsweg ausschließlich für das Personal, der einen effizienten Wechsel zwischen zwei Ordinationsräumen ermöglicht und die Wartezeiten für PatientInnen reduziert.
Das Bestandsgebäude wurde 2002 als Stahlbetonskelettbau errichtet und ursprünglich als Bürostruktur mit langen Gängen und zentral gelegenen Aufenthaltsräumen genutzt. Für den Umbau wurde der Innenausbau – mit Ausnahme des Hohlraumbodens – vollständig rückgebaut und mit besonderem Augenmerk auf Aufenthaltsqualität neu gestaltet. Oberlichten zwischen Behandlungsräumen und Erschließungszonen bringen Tageslicht tief in das Gebäude und belichten die bewusst kurz gehaltenen Wege. An ausgewählten Stellen schaffen Glaswände mit Massivholzrahmen zusätzliche Sichtbezüge und Orientierung.
Akustikdecken sorgen für eine angenehme Raumakustik, während die Behandlungsräume schalltechnisch hochwertig entkoppelt sind. Durch die Neuprogrammierung der bestehenden Fancoils lässt sich das Raumklima individuell steuern. Für den Wartebereich wurde ergänzend eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Kühlfunktion installiert. Dimmbares Licht mit warmer Farbtemperatur gewährleistet auch an tageslichtarmen Tagen eine angenehme Atmosphäre.
Der zentrale Wartebereich wird durch einen Deckensprung und einen subtilen Farbwechsel im Linoleumbelag hervorgehoben. Wandverkleidungen aus Birkensperrholz vermitteln Wertigkeit, Natürlichkeit und Freundlichkeit, integrieren bündige Türen zu den Nebenräumen und nehmen einen Trinkbrunnen auf. Im Kontrast dazu setzen die farbenfrohe, flexibel nutzbare Möblierung und das spielerische Leitsystem lebendige Akzente.
Im Rahmen eines integralen Planungsprozesses wurden sämtliche FachplanerInnen bis hin zur grafischen Gestaltung frühzeitig eingebunden. Nach einer Bauzeit von nur sechs Monaten konnte die PVE Anfang April 2026 ihren Betrieb aufnehmen.