Wohnen


Wohnhausanlage Brünner Straße, Wien 21

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Mit der Planung der Wohnhausanlage “Am Hirschenfeld” konnte 1991 bei dem von der GESIBA ausgeschriebenen geladenen Wettbewerb der erste Preis errungen werden.

Das über 300 m lange, schmale Grundstück liegt an der stark befahrenen Brünner Straße und ist Teil eines Stadterweiterungsgebietes mit ca. 3.000 Wohneinheiten. Entlang der Straße wurde eine geschlossene, riegelartige, fünfgeschoßige Bebauung geplant. Den Beginn der Wohnhausanlage markiert ein sechsgeschoßiger, aus der Flucht des Riegels ausgeschwenkter Kopfbau. Im Osten des Riegels stehen in lärm- und windgeschützter Lage zehn dreigeschoßige Zeilenbauten mit je vier Reihenhaus-Maisonetten und darüber liegenden Wohnungen, die über einen offenen Laubengang erschlossen sind, sowie ein Kindertagesheim. Die Laubengangzone wird durch ihre Transparenz selbst öffentlicher Raum, hält aber gleichzeitig die unerwünschten Emissionen ab. Hofseitig bietet das Loggiengerüst Freiheit für eine individuelle Gestaltung, die intensiv genutzt wird.

Bei der Wohnhausanlage “Am Hirschenfeld” wurde erstmals in Europa eine Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Vorwärmung der Frischluft in einem sozialen Wohnungsbau dieser Größenordnung ausgeführt. Ebenso einmalig ist die Nutzung der vorgespannten Stahlbeton–Hohldielendecken als Lüftungsleitung. Die Wohnhausanlage kann als Vorläufer heutiger Passivhaustechnologie gesehen werden.

Die Wohnungen des Riegels wurden mit einer Lüftungsanlage ausgestattet, da sie aufgrund der Laubengangerschließung nicht quergelüftet werden können. Aus den Nebenräumen und Nassräumen wird ständig verbrauchte Luft abgesaugt. Über einen Wärmetauscher wird die Zuluft auf die erforderliche Temperatur von einigen Grad über Raumtemperatur aufgeheizt. Die warme Frischluft wird in der Nähe der Fenster in die Wohnungen eingeblasen. Da unter Umständen geringe Luftgeräusche bei den Ausblasöffnungen hörbar sein können, wurde in den Schlafräumen auf Lüftungsöffnungen verzichtet.

Die südorientierten Zeilen sind auf maximale passive Solargewinne ausgerichtet. Der Abstand zwischen den Zeilen sowie deren geschwungene Form garantieren optimale Besonnung. Das geschoßweise Vorspringen der Südfassade bewirkt im Sommer einen ausreichenden Sonnenschutz für die unteren Geschoße, ohne die Sonneneinstrahlung im Winter zu beeinträchtigen.