Bauten der Begegnung


Österreichische Nationalbibliothek, Wien 1

projektdatenblattprojektdatenblatt

Ausgangspunkt für die Neugestaltung der Lesesäle der Österreichischen Nationalbibliothek (ONB) in der Neuen Hofburg war eine Optimierung der Funktionsabläufe bei gleichzeitiger Abstimmung der Architektur und Farbgestaltung auf das neue Corporate Design der ONB in Verbindung mit dem historischen Umraum. Besonderes Augenmerk wurde auf den Abbau von optischen und physischen Barrieren unter Gleichzeitiger Beachtung der Benutzernähe gelegt.

Die Planung gliederte sich in vier Bereiche: den Eingangsbereich mit Servicedesk, Zugangskontrolle und Verteilung, Leselounge, großer Lesesaal mit Galerie und darüber liegender Zeitschriften-Lesesaal mit einer neuen direkten Erschließung aller Lesesäle.

Der Eingangsbereich wurde in die Aula verlegt, von wo aus man über ein Verteilerpodest mit einem körperbehindertengerechten Plateau-Lift zu den einzelnen Bereichen gelangt. Diesem Bereich vorgelagert wurde eine Leselounge mit bequemen Ledersitzmöbeln eingerichtet. Zur Erschließung der einzelnen Ebenen wurde im mittleren Bereich der Lesesäle eine Erschließungszone mit einer einläufigen Stiege und einem teilverglasten, hydraulischen Lift geplant.

Die neue Gestaltung der beiden längsorientierten Lesesäle nimmt Bezug auf die vorhandene Raumstruktur, welche durch ein regelmäßiges Achssystem bestimmt ist. Der Boden wurde durch Bänderungen und Friese im Rhythmus der Achsmodule unterteilt. Die akustisch wirksamen Deckenfelder sowie die Wände reflektieren den Modul der Bodengliederung. Der starken vertikalen Gliederung der Fensterwand ist durch die Brüstung der Galerieebene eine betonte horizontale Raumbewegung gegenübergestellt. Unter der Galerie ist in Regalnischen die Freihandbibliothek untergebracht. Der seitliche Zugang definiert eine Querachse in den längsgerichteten Leseräumen, um die die Aufstellrichtung der Lesetische gespiegelt ist.

Eine wesentliche Aufgabe im Zuge der Neugestaltung war die Sicherstellung einer ausreichenden akustischen Dämpfung, obgleich Stiege und Lift zum Raum hin offen sind. Dies wird mit spezifischen Materialien der raumbildenden Oberflächen erreicht. Hinter allen gelochten, geschlitzten und mikroperforierten Paneelen verbergen sich weiche Schalldämmstoffe.

Durch die Sanierung der bestehenden großen Kastenfenster konnte ein effizienter Schutz vor sommerlicher Überwärmung erreicht werden.  Die Verglasung der bestehenden Innenflügel wurde mit 2-Scheibe-Wärmeschutzgläsern (U-Wert=1,2 W/m²k) ausgestattet. Die neu eingebaute Lüftungsanlage mit integrierter Raumbefeuchtung kann mit der gleichen Kühlleistung wie bisher auch im Sommer durchgehend angenehme Raumbedingungen erreichen.