Wettbewerbe


2017 Realisierungswettbewerb Wienerwaldbad Purkersdorf - 1.Preis

Orientierung

Städtebaulich nimmt das Projekt die grobe Konfiguration des Altbestandes auf und führt dessen Qualitäten weiter. Der Baukörper ist an der nord-östlichen Grundstücksgrenze positioniert und bietet so einen idealen Abschluss des der Sonne zugewandten Badgrundstücks. Im Osten wird ein Vorplatz ausgebildet der einerseits den Besuchern genügend Platz für Kommunikation und zum Abstellen von Transportmitteln bietet, andererseits den Baukörper von der benachbarten Bebauung abrückt und so die Großzügigkeit des Altbestandes beibehält. Durch die Positionierung des Baukörpers kommt es zu einer Gliederung der bestehenden Liege- u. Freiflächen. Diese Gliederung schafft subtil Zonen, welche in unterschiedlichen Qualitäten ausgeführt werden können, z.B. Beach-Sportbereich, Familienliegewiese, Liegeholzdecks usw.

Eingangssituation

Über den gemeinsamen Vorplatz mit Fahrrad- und Autoabstellplätzen gelangt man zu der überdachten Eingangszone, die viel Platz für Kommunikation bietet.

Baukörper

Um den Freiraum des Bades so wenig wie möglich zu beeinträchtigen entwickelt sich das Obergeschoß in Richtung Vorplatz und Tullnerbachstrasse. So entsteht ein Baukörper, der zur Tullnerbachstrasse hin gut sichtbar ist und als Landmark wirkt. In Richtung Vorplatz wird eine klare und durch die Überdachung geschützte transparente Eingangssituation geschaffen. Zum Bad hin werden die Qualitäten des Bestands mit dem Garderobentrakt neuinterpretiert, wobei der gesamte Baukörper als stufenförmig angeordnete optional begehbare Terrassenlandschaft ausgebildet ist.

Das Obergeschoss in dem sich Fitness- u. Wellnessbereich befinden sitzt kompakt auf den länglichen Bauteilen des EGs. Durch Vor- und Rücksprünge, welche den Baukörper strukturieren wird ein luftiger, heller und offener Eingangsbereich geschaffen.

Der Entwurf schlägt bewusst einen gestalterischen Lösungsvorschlag vor, der die lauten Bereiche des Fitnesscenters im EG anordnet. Diese Entscheidung basiert auf dem Erfüllen der funktionellen Vorgaben (100 % räumliche und funktionale Trennung Sommerbetrieb Bad/Fitness) und aus der Überzeugung, dass sich für den Baukörper gestalterische, stadtplanerische und wirtschaftliche Vorteile ergeben.

Im ersten Obergeschoß sind die Räumlichkeiten des Fitnesscenters positioniert. Stiege und Lift führen direkt zur Eingangzone mit Frontdesk und ermöglichen somit eine ideale Abwicklung mit minimalem Personalaufwand. Die Garderoben fungieren als eine Art Filter der den Saunabereich (Patschen) vom Eingangsbereich und Fitnessbereich (Sportschuhe) trennt. Die fremdvermieteten Bereiche Solarium/Massage/Kosmetik und Fußpflege, sind direkt vom Frontdesk mit Strassenschuhen sowie von dem Wellnessbereich begehbar und so angeordnet dass sie vom Stadtraum (Vorplatz) aus wahrgenommen werden können.

Der Hauptraum (Sportgerätebereich) des Fitnesscenters öffnet sich durch großzügige Verglasungen in drei Himmelsrichtungen und hebt durch die vielfältigen Ausblicke auf die Berge des Wienerwalds die besondere Qualität des Standorts hervor.

Über eine interne raumbildende Treppe werden die „lauten“ Aktivbereiche des Fintnesscenters im EG erschlossen. Alle Räume haben direkten Außenbezug. Der Aerobicbereich läßt sich auf Wunsch in kleinere Einheiten unterteilen.

Optional können auch die Sportflächen des Bades für Freiluftklassen mitgenutzt werden.

Der introvertierte Saunabereich im Norden bietet eine blickgeschützte Terrasse mit direktem Ausgang auf das Liegedeck und die Terrassenlandschaft.

Ein Parkdeck, das über die Fürstenberggasse befahren wird, bietet Platz für 51 neue Stellpätze. Durch die Ausführung als offenes Parkdeck (keine mechanische Entrauchung) und die Nutzung der Topographie (kein großer Aushub, kurze Rampen) können hier sehr kostengünstig neue Parkplätze errichtet werden. Weiters bietet das begrünte Dach des Parkdecks einen idealen ebenen von der Strasse abgehobenen Platz für sportliche Aktivitäten (Beachvolleyball, Fußball, Boulderwand - Klettern). Über einen Lift sind alle Geschoße barrierefrei erreichbar.

Der Dachbereich ist als großzügige begrünte Frei- und Terrassenfläche ausgebildet und kann nach Wunsch vom Fitnesscenter und/oder Bad genutzt werden. Über die Nutzung der natürlichen Topographie am nördlichen Rand des Grundstücks gelangt man über großzügige Sitz- und Freitreppen auf die abgestufte Terrassenlandschaft mit Blick auf den Wienerwald. Eine Zonierung mit vielfältigen Liegemöglichkeiten, Verschattung durch den PV Dachgarten und Begrünung sorgen für höchsten Komfort.

So kann durch den Zubau eine optionale Vergrößerung der Liegeflächen am Dach erreicht werden. Um kurze Wege sicherzustellen führt eine Wendeltreppe (Nebentreppe) direkt vom Terrassendeck zum Badbuffet und Eingangsbereich.Teile der Liegelandschaft können exklusiv vom Fitnesscenter genutzt werden. Über ein elektronisches Zugangs-/Schlüsselsystem und klar zugeordnete Bereiche kann die gemeinsame Nutzung der Dachlandschaft von Bade u. Fitnesscenter Gästen unter max. funktionaler und räumlicher Trennung gewährleistet werden. Für das Fitnesscenter stellt diese großzügige Fläche einen außergewöhnlichen Mehrwert da.

Ökologie und Energiekonzept

-Das ganzjährig betriebene Fitnesscenter soll in Niedrigstenergiebauweise errichtet werden. Dafür ist eine bessere thermische Qualität der Außenbauteile vorgesehen.

-Für die Wärme- und Kälteversorgung des Gebäudes ist eine luftgekühlte Kältemaschine mit Wärmepumpenfunktion, Leistung 120kW, vorgesehen. Die Dimensionierung ergibt sich auf Grund des Kühlbedarfs des Fitnesscenters. Durch die Wärmepumpenfunktion wird das Gerät im Winter bis 0°C Außentemperatur die komplette Heizlast abdecken. Für kältere Temperaturen und für Verbrauchsspitzen beim Warmwasserbedarf ist ein 100kW Spitzenlast-Gaskessel vorgesehen.

Optional kann eine Sole-Wasser Wärmepumpe mit Erdwärme-Tiefensonden geplant werden, die im Sommer im inversen Betrieb als Kältemaschine arbeitet und das Fitnesscenter und die anderen Räume kühlt. Durch die geringen Schwankungen der Temperaturen in den tieferen Erdschichten kann dieses Gerät sowohl im Winter wie im Sommer mit höchster Effizienz und geringsten Betriebskosten betrieben werden. Im Gegensatz zu anderen Wärmepumpenmodellen fällt keine Geräuschbelästigung durch das Gerät an. Ein besonderer Vorteil ergibt sich im Kühlbetrieb durch Direct Cooling, bei dem die Wärme direkt über die Sole an das Erdreich abgeführt wird. In diesem Fall fällt nur der Stromverbrauch für die Umwälzpumpen an. Der Direct-Cooling-Betrieb wird solange fortgeführt, solange die Erdreichtemperaturen dies zulassen. Im Winter wird das Erdreich im Wärmepumpenbetrieb vorgekühlt. Die optionale Lösung hat einen niedrigeren CO2 Ausstoß und wird gefördert, jedoch ist die Wirtschaftlichkeit in einem Detailprojekt abzuschätzen.

-Die Kühlung erfolgt über Lüftung und Bauteilaktivierung in den Decken. So können die vorhandenen Speichermassen ideal genützt werden.

-Zur Beheizung der Räume wird eine flächendeckende Fußbodenheizung und vorgewärmte Zuluft vorgesehen.

-Der Strom für den Betrieb der Wärmepumpe/Kältemaschine soll zu einem großen Teil von PV-Paneelen geliefert werden (in Abhängigkeit von der Wirtschaftlichkeit/Förderung).

-Hier ist die innovative Lösung eines PV-Dachgartens angedacht. Dabei handelt es sich um das Ergebnis eines Forschungsprojektes der Universität für Bodenkultur. Der PV-Dachgarten stellt eine Kombination aus PV-Paneelen zur Lieferung von Energie, die gleichzeitig zur Beschattung dienen, mit unterschiedlichsten Bepflanzungen dar. Damit bietet er auch eine gute Möglichkeit die Aufenthaltsqualität auf den Terrassenflächen zu verbessern.

-Die Fassade im ersten OG soll mit großflächigen Verglasungen für passive Solarwärmegewinne und natürliche Belichtung im Winterhalbjahr sorgen.

-Im Sommerhalbjahr bilden drehbare Lamellen eine optimale Verschattung.

-Optional ist eine Heizung des Schwimmbadwassers mit sehr langlebigen Schwimmbadsonnenkollektoren angedacht. Diese könnten vor der hauptsächlich nach Süden orientierten Schallschutzwand am nördlichen Grundstücksrand angebracht werden.

-Die Warmwasserbereitung erfolgt überwiegend über Warmwassersonnenkollektoren.

-Be- und Entlüftung erfolgt mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung